Welches Verfahren zu welcher Fassade passt
Klinker, Putz, gedämmte Fassaden und Naturstein reagieren völlig unterschiedlich auf Druck, Hitze und Chemie. Was bei Klinker nur den Schmutz löst, sprengt bei einer gedämmten Fassade die Dämmung von innen auf. Der Schaden zeigt sich oft erst Monate später, als Fleck oder Riss. Deshalb entscheidet allein das Material, welches Verfahren infrage kommt, nicht der Preis oder die Ausstattung der Reinigungsfirma.
Bei Putz auf festem Mauerwerk kommt ein Fachbetrieb mit 80 bis 100 bar aus, bei hart gebranntem Klinker sind bis zu 200 bar möglich. Eine gedämmte Fassade dagegen verträgt keinen direkten Hochdruckstrahl, weil das Wasser durch feine Risse in die Dämmung eindringt. Bei Naturstein kommt es auf die Art an: Granit und Schiefer vertragen mehr, Sandstein, Marmor, Travertin und Kalkstein brauchen eine Probefläche und meist nur wenig Druck.
| Material | Empfohlenes Verfahren | Druck oder Vorgehen | Worauf Sie achten |
|---|---|---|---|
| Klinker, hart gebrannt | Hochdruckreiniger | bis zu 200 bar | Fugen sind die Schwachstelle, weiches oder handgestrichenes Material verträgt deutlich weniger |
| Putz auf massivem Mauerwerk | Hochdruckreiniger mit Flachstrahldüse | 80 bis 100 bar, 20 bis 50 cm Abstand | vorher mit dem Finger abklopfen, hohl klingende Stellen zuerst ausbessern lassen |
| Gedämmte Fassade (Wärmedämmverbundsystem) | weiche Bürste, wenig Druck oder drucklos | kein direkter Hochdruckstrahl | Feuchtigkeit hinter der Dämmschicht zeigt sich oft erst Monate später als Fleck |
| Naturstein, hart und säurebeständig (Granit, Schiefer) | Hochdruckreiniger oder Heißwasser | nach Absprache mit dem Betrieb | trotzdem vorher eine kleine Fläche testen |
| Naturstein, weich oder säureempfindlich (Sandstein, Marmor, Travertin, Kalkstein) | drucklose oder Niederdruckreinigung, neutrale Mittel | wenig Druck, keine Säure | Gefahr von Kornverlust, unbedingt Probefläche |
Warum gedämmte Fassaden am empfindlichsten sind
Eine gedämmte Fassade besteht aus dünnem Putz auf einer Dämmplatte, meist Wärmedämmverbundsystem oder WDVS genannt. Trifft ein harter Wasserstrahl auf einen Riss oder eine offene Fuge, drückt er Wasser in die Dämmung. Von außen sehen Sie davon zunächst nichts. Erst Wochen oder Monate später zeigen sich Flecken, Ausblühungen oder bröckelnder Putz, und dann hilft nur noch eine teure Sanierung.
Ein Fachbetrieb testet deshalb zuerst mit einem Klopftest, wo der Putz noch fest auf der Wand sitzt. Danach arbeitet er mit warmem Wasser zwischen 60 und 80 Grad, einer breiten Flachstrahldüse und 20 bis 50 Zentimetern Abstand, von oben nach unten. Bei der Dämmschicht selbst tauscht er den harten Strahl gegen eine weiche Bürste und ein alkalisches Reinigungsmittel in der vom Hersteller vorgegebenen Menge.
Ein Prüfverband der Fassadenreinigungsbranche warnt zusätzlich vor sauren oder stark alkalischen Reinigungsmitteln. Sie lösen Schmutz zwar schnell, greifen aber ungeschützte Oberflächen an. Die Schäden fallen oft erst Monate nach der Reinigung auf, wenn Fenster- und Fassadenteile ihre Farbe verändern. Verlangen Sie deshalb, dass die Firma nur neutrale oder für Ihr Material freigegebene Mittel einsetzt.
Warum Sandstrahlen bei Naturstein fast immer schadet
Naturstein trägt eine dünne, witterungsfeste Außenschicht, die ihn vor Wasser und Frost schützt. Sandstrahlen mit hartem Strahlmittel und mehr als 60 bar trägt diese Schicht ab, statt nur den Schmutz zu entfernen. Der Stein nimmt danach mehr Wasser auf und verwittert schneller als vorher.
Als schonende Alternative setzen Fachbetriebe Natron ein, das sogenannte Sodastrahlen. Natron hat auf der Härteskala für Mineralien einen Wert von rund 2,5, Sandstein bringt es je nach Sorte auf 6 bis 7. Das weiche Strahlmittel reinigt die Oberfläche, ohne sie abzutragen.
Fachverbände für Denkmalpflege unterscheiden deshalb zwischen trockenen Verfahren wie Bürsten, Schleifen und feinem Strahlen und nassen Verfahren wie drucklosem Spülen, Reinigen mit Druck oder mit Chemie. Bei denkmalgeschützten Häusern entscheidet die Denkmalbehörde mit, welches Verfahren erlaubt ist. Bei allen Verfahren gilt: Nur wer die ursprüngliche Substanz erhält, hat sauber gearbeitet.
Besteht Ihre Fassade aus Naturstein?
Ist der Stein weich oder kalkhaltig, zum Beispiel Sandstein, Marmor, Travertin oder Kalkstein?
Nur drucklose oder Niederdruckreinigung mit neutralen Mitteln, vorher eine Probefläche testen. Kein Sandstrahlen, keine Säure.
Granit und Schiefer vertragen mehr Druck und auch säurehaltige Mittel, trotzdem vorher eine Probefläche testen.
Ist die Fassade gedämmt oder hat sie einen empfindlichen Anstrich?
Nur mit weicher Bürste, wenig Druck oder drucklos reinigen. Ein harter Wasserstrahl drückt Feuchtigkeit in die Dämmung.
Klinker verträgt bis zu 200 bar, massiver Putz 80 bis 100 bar. Fugen und lose Stellen vorher prüfen.
Was gegen Algen und Moos auf der Fassade hilft
Algen und Pilze siedeln sich auf jedem Fassadenmaterial an: auf Putz, Beschichtungen, Holz, Metall, Glas, Klinker, Naturstein und Kunststoff. Der Bewuchs schadet der Fassade selbst meist nicht, stört aber optisch und deutet oft auf dauerhaft feuchte Stellen hin, etwa durch einen fehlenden Dachüberstand.
Ein gemeinsames Merkblatt mehrerer Fachverbände der Farben- und Putzbranche beschreibt den üblichen Ablauf gegen Bewuchs.
- Fläche reinigen, zum Beispiel mit dem Hochdruckreiniger oder durch nasses Abbürsten.
- Rund 24 Stunden trocknen lassen.
- Reinigungslösung mit einem Algen- und Pilzmittel auftragen, nach Herstellerangaben.
- Einwirk- und Trockenzeit abwarten.
- Mindestens zweimal neu beschichten, damit der Schutz hält.
Für die Kontrolle reicht bei den meisten Fassaden ein Rhythmus von 1 bis 2 Jahren, an Wetterseiten oder ungeschützten Stellen öfter. Wer Dachrinnen, Fensterbänke und Mauerabdeckungen regelmäßig sauber hält, verhindert einen Großteil des Bewuchses von vornherein.
Wie Sie eine Firma vor Schäden schützen
Bevor Sie einen Auftrag vergeben, lassen Sie sich das Material Ihrer Fassade schriftlich bestätigen: Klinker, Putz, welche Dämmung, welcher Naturstein. Nur mit dieser Angabe kann eine Firma das richtige Verfahren und den richtigen Druck kalkulieren.
Verlangen Sie außerdem eine Probefläche, besonders bei Naturstein, historischen Fassaden oder wenn die Firma Ihnen ein neues, Ihnen unbekanntes Verfahren anbietet. Ein anerkanntes Prüfzeichen der Fassadenreinigungsbranche, etwa RAL-GZ 632, zeigt, dass die Firma regelmäßig geprüft wird und nur zugelassene Mittel einsetzt.
Material und Zustand klären
Fassadenart, Alter, sichtbare Schäden und ob Denkmalschutz gilt, am besten mit Fotos.
Verfahren und Druck festlegen
Die Firma nennt Verfahren, Druck oder Temperatur und das verwendete Mittel schriftlich.
Probefläche reinigen
Eine kleine, unauffällige Stelle zeigt das Ergebnis, bevor die ganze Fassade dran ist.
Ergebnis gemeinsam abnehmen
Prüfen Sie die Probefläche bei Tageslicht und halten Sie das Ergebnis in Fotos fest.
Reinigung beauftragen und Rechnung prüfen
Die Rechnung sollte Fläche, Verfahren und verwendetes Mittel getrennt ausweisen.
Was die Reinigung insgesamt kostet, hängt neben dem Verfahren auch von der Fläche und der Zugänglichkeit ab; die Kosten pro Quadratmeter Fassade zeigen typische Spannen. Für reine Glasflächen gelten außerdem andere Reinigungsintervalle als für die übrige Fassade.
Häufige Fragen
Welchen Druck verträgt eine Putzfassade beim Reinigen?
Auf massivem Mauerwerk verträgt Putz meist 80 bis 100 bar mit einer Flachstrahldüse und 20 bis 50 Zentimetern Abstand. Eine gedämmte Fassade mit Wärmedämmverbundsystem verträgt dagegen keinen direkten Hochdruckstrahl, weil sonst Wasser in die Dämmung eindringt. Testen Sie deshalb vorher mit einem Klopftest, ob die Fläche fest sitzt.
Darf man eine Natursteinfassade sandstrahlen?
Nein, Sandstrahlen mit hartem Strahlmittel und mehr als 60 bar trägt die schützende Außenschicht des Steins ab und beschleunigt die Verwitterung. Als schonende Alternative reinigen Fachbetriebe mit Natron, das mit einer Härte von rund 2,5 weicher ist als jeder Naturstein. Bei denkmalgeschützten Häusern entscheidet ohnehin die Denkmalbehörde mit.
Wie oft muss eine Fassade gegen Algen und Moos behandelt werden?
Für die meisten Fassaden reicht eine Kontrolle und Pflege alle 1 bis 2 Jahre, an Wetterseiten und schattigen, feuchten Stellen öfter. Wer Dachrinnen, Fensterbänke und Mauerabdeckungen regelmäßig freihält, verringert den Bewuchs zusätzlich. Ein bestehender Befall ist rechtlich meist kein Baumangel.
Was passiert, wenn eine Firma das falsche Verfahren wählt?
Ein zu harter Wasserstrahl oder ein falsches Mittel kann Fugen aussprengen, Farbe verändern oder Feuchtigkeit in eine gedämmte Fassade drücken. Solche Schäden zeigen sich oft erst Monate später und sind dann teuer zu beheben. Verlangen Sie deshalb vorab eine Probefläche und ein schriftlich festgehaltenes Verfahren.
Woran erkenne ich eine Fachfirma für Fassadenreinigung?
Eine Fachfirma fragt gezielt nach Material, Alter und sichtbaren Schäden Ihrer Fassade, bevor sie ein Angebot macht. Sie bietet von sich aus eine Probefläche an und nennt Verfahren, Druck und Mittel schriftlich. Ein anerkanntes Prüfzeichen der Branche, etwa RAL-GZ 632, ist ein zusätzliches Indiz.
Kann ich meine Fassade selbst mit dem Hochdruckreiniger reinigen?
Bei robustem Klinker oder massivem Putz in Reichweite vom Boden ist das möglich, wenn Sie Druck und Abstand vorsichtig testen. Bei gedämmten Fassaden, Naturstein oder Flächen ab dem ersten Stock sollten Sie eine Fachfirma beauftragen. Ein falscher Versuch lässt sich oft nicht mehr rückgängig machen.
