Welches Verfahren Ihr Untergrund verträgt
Ob Graffiti rückstandslos verschwindet, hängt vom Untergrund und vom Alter der Farbe ab. Frische Farbe lässt sich leichter lösen als Farbe, die schon wochenlang in die Oberfläche eingezogen ist. Klinker, Ziegel und Beton vertragen kräftige Verfahren, Putz und gedämmte Fassaden nur schonende.
Auf Klinker, Ziegel und Beton setzen Fachbetriebe meist Heißwasser unter hohem Druck ein, mit mindestens 80 Grad auf der Oberfläche. Bei Naturstein und stark saugenden Flächen kommt häufig Trockeneis zum Einsatz, weil es die Oberfläche nicht zusätzlich benetzt. Auf Putz und gedämmten Fassaden verzichten Fachbetriebe auf hohen Druck und arbeiten stattdessen mit speziellen Ablösern.
| Untergrund | Übliches Verfahren | Temperatur oder Vorgehen | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Klinker, Ziegel, Beton | Heißwasser-Hochdruckreinigung | mindestens 80 Grad auf der Oberfläche | Untergrund muss tragfähig sein, sonst löst sich Farbe oder Fuge mit |
| Naturstein und stark saugende Flächen | Trockeneisstrahlen | kein zusätzliches Wasser | besonders bei wasserempfindlichem oder porösem Gestein |
| Putz und gedämmte Fassaden (Wärmedämmverbundsystem) | spezielle Ablöser, kein Hochdruck | drucklos oder mit sehr wenig Druck | Hochdruck presst sonst Feuchtigkeit in die Dämmung |
| Glas und Metall | Lösemittel oder Rasierklinge | je nach Verschmutzung | vorher an unauffälliger Stelle testen |
Warum gedämmte Fassaden eine Ausnahme sind
Eine gedämmte Fassade besteht aus dünnem Putz auf einer Dämmschicht. Heißwasser unter hohem Druck presst Feuchtigkeit durch feine Risse in diese Dämmschicht, und der Schaden zeigt sich oft erst Wochen später. Ein Schutzmittel gegen künftige Graffiti ist auf dieser Fassadenart deshalb ebenfalls nicht geeignet, wie der Hersteller Remmers für sein eigenes Produkt ausdrücklich festhält.
Bei Putz und gedämmten Fassaden bleibt meist nur das vorsichtige Ablösen mit einem chemischen Mittel und anschließendem Überstreichen. Fragen Sie deshalb vor der Auftragsvergabe gezielt, ob die Firma Erfahrung mit gedämmten Fassaden hat und mit welchem Mittel sie arbeitet.
Ob sich eine Schutzbeschichtung lohnt
Eine Graffiti-Schutzbeschichtung macht die Oberfläche wasserabweisend, sodass Sprühfarbe schlechter haftet. Nach einem neuen Graffiti reicht dann meist Heißwasser allein, ohne erneute Chemie. Nach jeder Reinigung muss die Schicht aber neu aufgetragen werden, weil sie sich mit entfernt.
Der Verbrauch hängt vom Material ab: von 0,1 bis 0,2 Litern je Quadratmeter bei Klinker bis zu 0,3 bis 0,8 Litern bei Naturstein, das mehr Feuchtigkeit aufnimmt. Eine Testfläche von 1 bis 2 Quadratmetern zeigt vorab, ob sich der Farbton durch das Mittel verändert; dieser Test ist beim Hersteller sogar vorgeschrieben.
Auf Putz, gedämmten Fassaden und verwitterten oder porösen Flächen ist eine solche Beschichtung laut Hersteller nicht geeignet. Dort bleibt nur die sorgfältige Grundreinigung und, wenn nötig, ein neuer Anstrich als Schutz vor dem nächsten Mal.
Was Sie nach einer Sachbeschädigung tun können
Ein Graffiti ohne Erlaubnis des Eigentümers ist eine Sachbeschädigung. Die polizeiliche Beratung empfiehlt, den Schaden umgehend anzuzeigen, auch wenn niemand erwischt wurde, und ihn vorher mit Fotos festzuhalten. Die Anzeige ist zugleich meist Voraussetzung, damit eine Versicherung überhaupt zahlt.
Vandalismus ist in einer Wohngebäudeversicherung standardmäßig meist nicht mitversichert; er lässt sich aber häufig als Zusatzbaustein vereinbaren, etwa unter dem Namen böswillige Beschädigung oder Graffiti. Prüfen Sie deshalb Ihre Police oder fragen Sie vor der Beauftragung einer Firma bei Ihrer Versicherung nach.
Fotos machen
Das Graffiti und die betroffene Fläche vollständig und mit Maßstab fotografieren, noch bevor jemand daran arbeitet.
Anzeige erstatten
Bei der Polizei melden, auch ohne bekannten Täter. Die Nummer der Anzeige brauchen Sie oft für die Versicherung.
Versicherung informieren
Prüfen, ob ein Zusatzbaustein für Vandalismus oder Graffiti besteht, und den Schaden melden.
Fachbetrieb beauftragen
Verfahren nach Untergrund wählen lassen und vorher einen Kostenvoranschlag einholen.
Städtischen Zuschuss prüfen
Manche Städte fördern die Entfernung, zum Beispiel Stuttgart mit bis zu 3.500 Euro.
Wenn der Täter bekannt ist, etwa weil er auf frischer Tat gestellt wurde, können Sie zivilrechtlich Schadensersatz verlangen. Lassen Sie sich beraten, wenn Sie diesen Weg gehen wollen oder wenn Ihre Versicherung die Kostenübernahme ablehnt.
Wie eine Fachfirma beim Entfernen vorgeht
Eine erfahrene Firma prüft zuerst den Untergrund und testet das Verfahren an einer kleinen, unauffälligen Stelle. Erst danach reinigt sie die gesamte Fläche, lässt sie trocknen und trägt bei Bedarf eine neue Schutzschicht auf.
- Welches Verfahren die Firma für Ihren Untergrund vorschlägt und warum
- Ob vorher eine Testfläche gereinigt wird
- Ob der Preis pro Quadratmeter oder als Pauschale gilt
- Ob eine Schutzbeschichtung im Angebot enthalten ist und wie lange sie hält
Wie hoch der Gesamtpreis für die Fassadenreinigung ausfällt, zeigen die Kosten pro Quadratmeter. Welches Reinigungsverfahren sonst zu Klinker, Putz oder Naturstein passt, erklärt der Beitrag zu Reinigungsverfahren für Fassaden.
Häufige Fragen
Wie schnell sollte Graffiti von der Fassade entfernt werden?
Am besten innerhalb von 48 Stunden, weil frische Farbe deutlich leichter herausgeht als eingezogene. Je länger Sie warten, desto tiefer zieht die Farbe in poröse Materialien wie Putz oder Sandstein ein. Fotografieren Sie das Graffiti vor der Reinigung für Polizei und Versicherung.
Zahlt die Versicherung die Graffiti-Entfernung?
Nur wenn Ihre Wohngebäudeversicherung einen Zusatzbaustein für Vandalismus oder Graffiti enthält; standardmäßig ist das meist nicht mitversichert. Prüfen Sie Ihre Police oder fragen Sie direkt bei Ihrer Versicherung nach. Eine Anzeige bei der Polizei ist für die Kostenübernahme meist Voraussetzung.
Muss ich Graffiti an meiner Fassade der Polizei melden?
Eine Pflicht gibt es nicht, die polizeiliche Beratung empfiehlt es aber ausdrücklich, auch ohne bekannten Täter. Die Nummer der Anzeige brauchen Sie meist, damit eine Versicherung den Schaden übernimmt. Zusätzlich dokumentieren Fotos den Zustand vor der Reinigung.
Lohnt sich eine Graffitischutz-Beschichtung?
Auf Klinker, Ziegel und Beton lohnt sie sich, weil künftige Graffiti dann meist mit Heißwasser allein wieder abgehen. Auf Putz, gedämmten Fassaden und verwitterten Flächen ist sie laut Hersteller nicht geeignet. Nach jeder Reinigung muss die Schicht außerdem neu aufgetragen werden.
Darf ich Graffiti selbst mit Hausmitteln entfernen?
Bei glatten Flächen wie Glas oder lackiertem Metall ist ein vorsichtiger Versuch mit mildem Lösemittel möglich. Bei Putz, Naturstein und gedämmten Fassaden raten Fachbetriebe davon ab, weil falsche Mittel den Untergrund dauerhaft verfärben oder aufweichen können. Im Zweifel zuerst an einer unauffälligen Stelle testen.
Gibt es Zuschüsse für die Graffiti-Entfernung?
Einige Städte fördern die Beseitigung illegaler Graffiti, Stuttgart etwa mit 75 Prozent der Kosten bis höchstens 3.500 Euro. Ob Ihre Kommune ein solches Programm hat, erfahren Sie beim örtlichen Ordnungsamt oder der Stadtverwaltung. Die Förderung schließt eine gleichzeitige Anzeige meist nicht aus.
